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Die fünf Arten von Büchern über Storytelling. Mit Lesetipps.

Immer, wenn mich jemand fragt, ob ich ihm ein gutes Buch über Storytelling empfehlen kann, muss ich eine Weile überlegen. Denn die eine „Storytelling-Bibel“, die alles erklärt, habe ich noch nicht gefunden.“Wonach suchst du denn?“, frage ich dann und gehe im Kopf mein inneres Bücherregal durch. Dort gibt es fünf Arten von Storytelling Büchern, die mit eigenen Stärken und Schwächen auf die Erzählkunst blicken:

1. Die Drehbuch Ratgeber: Storytelling im Detail

Leseempfehlungen:

Einen Kinofilm zu produzieren, ist eine teure Angelegenheit. Da sollte das Drehbuch besser gut sein. Kein Wunder, dass es viele Drehbuch Ratgeber gibt, die Autoren versprechen, ihnen bei der perfekten Geschichte zu helfen.

Die meisten Drehbuch Ratgeber, die ich gelesen habe, brechen Geschichten in ihre kleinsten,  „chemischen“ Einheiten auf. Genre, Konzept, Charaktere, Ziele, Konflikte, Plot-Struktur, 3Akte, 8Sequenzen, 15 Beats, Szenen, Subtext: Ein Drehbuch Ratgeber durchleuchtet die „Grammatik“ erfolgreicher Geschichten im Detail. Er macht deutlich, daß eine spannende Geschichte eine komplexe Komposition von dramatischen Zutaten ist. Und nur wenn die Mischung stimmt, ergibt sich eine gute Geschichte.

Die große Stärke dieser Bücher ist der Detailgrad, mit dem sie auf die Grammatik des Erzählens blicken. Sie benennen jedes Detail einer Geschichte. So geben sie Autoren und Kreativen eine gemeinsame Sprache, um Probleme in Story zu finden, zu besprechen und zu lösen. Weit über das Medium Film hinaus.

Die größte Schwäche dieser Bücher ist allerdings, dass sie so detailliert sind. Wenn ich einen ersten Entwürfe zu Papier bringen will, blockiert es mich, wenn ich parallel versuche, an alle Zutaten einer guten Story zu denken. Für den ersten Entwurf helfen diese Ratgeber wenig. Für die Überarbeitung hingegen sind sie unverzichtbar.

2. Die Business Storytelling Ratgeber: Storytelling mit ROI

Leseempfehlungen

Die zweite, große Kategorie sind die Business Storytelling Ratgeber. Dieses Genre teilt sich in zwei Untergattungen: Da sind zum einen die Bücher, die einen allgemeinen Überblick darüber geben, wie sich Storytelling im Business einsetzen lässt. Und zum anderen die Ratgeber, die Storytelling in einem abgegrenzten Fachgebiet betrachten (z.B. Marketing, Branding, Führung oder Change-Kommunikation).

Dabei haben fast alle Business Storytelling Ratgeber eines gemeinsam: Sie starten mit einer Begründung, warum es sich für ein Unternehmen lohnt, sich mit Storytelling zu beschäftigen. Und sie liefern Studien, Case-Studies, Statistiken und Anekdoten, um den ROI des Storytellings zu belegen.

Die große Stärke der Überblicks-Bücher ist, dass sie einen einfachen Einstieg in die Thematik ermöglichen. Und natürlich ist das auch ihre größte Schwäche. Schnell wirkt Storytelling hier wie ein Wundermittel, das alle unternehmerischen Probleme löst. Die spezialisierten Storytelling Bücher hingegen gehen mehr in die Tiefe. Auch das ist Vorteil und Nachteil zugleich. Denn wenn Storytelling nur noch als rationale Methode betrachtet wird, gerät schnell ein entscheidender Punkt der Erzählkunst in den Hintergrund: Die emotionale Verbindung mit einem Publikum.

3. Die Creative Writing Bücher: Mut zum Anfang

Meine Leseempfehlungen:

Die dritte Art von Storytelling Büchern in meinem inneren Bücherregal handeln vom kreativen Schreiben. Im Gegensatz zu den oben genannten Ratgebern erklären sie nicht, wie man eine gute Geschichten schreibt. Sondern helfen dabei, einen ersten Entwurf zu Papier zu bringen.

Machen statt denken. Das ist die Prämisse. Die Bücher bieten Hinweise, Denkanstöße und Methoden, die Angst vor dem weißen Blatt zu verlieren.

Auch wenn die oben genannten Creative Writing Bücher manchmal gruselig esoterisch klingen, bin ich ein Fan. Denn sie helfen, die erste, innere Schwelle zu nehmen und Neues zu wagen. Jede Geschichte startet mit einem ersten, meist schlechten Entwurf. Doch nur wer einen Entwurf hat, kann ihn verbessern. Das Problem mit diesen Büchern ist nur, dass sie einen gerne mit dem ersten Entwurf alleine lassen. Obwohl dann die eigentliche Arbeit erst losgeht. Das Überarbeiten.

4. Die Kulturbetrachtungen: Storytelling überall

Leseempfehlungen

Storytelling ist eine der ältesten Kommunikationsformen des Menschen. Vom Lagerfeuer der Steinzeit bis heute erklären wir uns die Welt größtenteils mit Geschichten. Und Forscher beobachten, welchen Einfluss Storytelling auf Menschen und Kulturen hat. Die Metaperspektive, die diese Bücher einnehmen, finde ich sehr inspirierend. Sie schärft meine Aufmerksamkeit für die Macht der Geschichten. Und inspiriert neue Ideen. Praktische Tipps finden sich hier kaum.

5. Die Selbstbeobachtungen von Autoren: Storytelling ein kreativer Prozess

Es ist selten, dass sich Geschichtenerzähler die Mühe machen, ihren kreativen Prozess zu reflektieren und ihn aufzuschreiben. Mir machen diese Bücher großen Spaß. Es gibt zwar selten konkrete Ratschläge. Dafür zeigen sie, wie unterschiedlich Geschichtenerzähler an die Arbeit gehen. Der eine schreibt drauf los. Der andere plant monatelang, bevor er loslegt. Die Wirklichkeit des Geschichtenerzählens ist dann doch chaotischer, als uns die meisten Ratgeber glauben machen wollen. Trotzdem bleibt das Ziel immer gleich:

Stell dir einen Tisch vor, an dem du jemandem eine Geschichte erzählst. Dein Ziel muss sein, dass er sitzen bleibt.

So beschreibt Bestseller-Autor James Patterson die Essenz des Storytellings in seiner Online-Masterclass. Ratgeber können dabei helfen, das zu erreichen. Doch am Ende entstehen gute Geschichten nicht aus Storytelling Ratgebern. Sondern daraus, die Welt und die Menschen in ihr genau zu beobachten. Und von ihren Sehnsüchten zu erzählen.

Christian_Riedel

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