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Wachstum durch Geschichten. Wie soll das gehen?

Ich hatte schwitzige Hände als ich im geliehenen Smoking mit Turnschuhen und blondierten, gel-betonierten Haaren ans Mikrofon trat. Neben mir stand mein Freund Mathias. Vor uns saßen unsere Mitschüler, Eltern und Lehrer. Wir hatten tagelang an unserer Rede für den ABI-Ball gefeilt. Schließlich standen wir am Anfang eines neuen Lebensabschnitts und waren fest entschlossen, den anwesenden Gästen etwas über das Leben mitzugeben.

Das war arrogant – zugegeben. Denn was können zwei Achtzehnjährige, die in der behüteten Enge einer nordhessischen Kleinstadt aufgewachsen sind, deren Horizont am Ende einer Tankfüllung des elterlichen Ford Escord Kombi endete, anderen schon mitgeben?

Der genaue Inhalt meines Redeteils ist mir entfallen. Doch ich erinnere mich genau, die folgenden Sätze aus dem Film „Star Trek: Generations“ zitiert zu haben. Am Ende des siebten Star-Trek Films durchsuchen Captain Picard und sein erster Offizier die zertrümmerte Brücke der Enterprise auf der Suche nach einem Buch. Mit Blick auf das zerstörte Schiff – und damit das Ende eines Lebensabschnitts – sagt Captain Picard: „Manche sagen, die Zeit sei ein Raubtier, das uns ein Leben lang verfolgt. Ich möchte viel lieber glauben, die Zeit sei ein Gefährte, der uns ein Leben lang begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen. Was wir hinterlassen, ist nicht so wichtig wie die Art wie wir gelebt haben.“

Mit achtzehn Jahren konnte ich dem Publikum nicht viel mitgeben. Außer dem festen Glauben, dass die Welt voller Optionen ist. Ich erntete Applaus für meinen Optimismus. Einen Optimusmus, den ich aus Star Trek gelernt habe.

Die Abenteuer der Enterprise haben mich meine ganze Jugend begleitet. Sie haben mich in andere Welten mitgenommen. Welten, in denen es andere Lebensläufe gab als Lehrer oder Bankkaufmann. Welten, die mehr boten als Fußball oder Kirmes. Welten, die es zu erforschen lohnt.

Meine Eltern sorgte es, daß ich mich jeden Nachmittag von 15.00 -16.00 Uhr in den Weltraum verabschiedete. Doch die Geschichten waren mehr als Alltagsflucht. Sie haben meine Phantasie angeregt. Sie haben mir bewusst gemacht, dass die Welt nicht hinter Kassel endet. In der Enge des ländlichen Idylls gaben mir die Abenteuer der Enterprise einen Freiraum zum Wachsen.

Ich bin kein Astronaut geworden. Auch die Star-Trek Uniform, die ich auf Fan-Treffen getragen habe, habe ich irgendwann ausgezogen. Die Faszination für Geschichten, für fremde Welten und die Kunst sie erlebbar zu machen – neudeutsch Storytelling – ist geblieben.

Sie hat mich im Medienwissenschafts-Studium angetrieben. Sie hat mir Aufträge als Online-Konzepter und Kommunikationsstratege verschafft. Sie hat mich zum Masters Course  in Video-Game-Studies motiviert und die Drehbuchschule Hamburg abschließen lassen. Ich habe ein erstes Drehbuch geschrieben, Kampagnen geplant, Präsentationen entwickelt, Workshops gehalten, ein Telefontheater-Stück geschrieben sogar eine Firma gegründet. Ich habe Stories entwickelt, um Produkte zu verkaufen, Marken bedeutsam zu machen, und um Menschen zu unterhalten.

Doch erst kürzlich ist mir die Triebfeder meiner Faszination klar geworden. Während ich an einem Vortrag für die Blogger-Konferenz „Blogst“ arbeitete, fügten sich die Fäden in meinem Kopf zusammen. Geschichten begleiten nicht nur mich, sondern uns alle von der Kindheit an. Sie sind das Betriebssystem unseres Denkens. Und die Bedeutungsebene unseres Handelns.

Und da habe ich erkannt:

Geschichten sind für mich mehr als Unterhaltung oder Verkaufsstrategie. Sie geben uns einen phantastischen Freiraum, mit der Realität zu spielen und Wachstumspotentiale zu entdecken.

Das habe ich nicht nur durch Raumschiff Enterprise erlebt. An jeder fiktionalen Erzählung, die ich schreibe, wachse ich als Autor. Und in den Projekten und Workshops der letzten zwei Jahre habe ich Kunden geholfen mit Geschichten zu wachsen.

Bei Three-Headed Monkeys haben wir beispielsweise eine Customer Journey für DFDS Seaways als Geschichte mit Spannungsbogen aufbereitet. In der Do-School jungen politischen Aktivisten geholfen ihre Kampagne als Geschichte zu verstehen. Dabei habe ich erlebt, wie Geschichten Menschen inspirieren über Herausforderungen anders nachzudenken. Neue Wege zu entdecken.  Ein internes Projekt bei easyCredit hat mir bewiesen, dass Geschichten Kommunikationsprozesse positiv verändern und Mitarbeiter motivieren. Besonders die Zusammenarbeit mit Protonet hat mir gezeigt, dass die richtige Story nicht nur Investoren und die Presse überzeugt, sondern eine Marke – manchmal sogar das ganze Unternehmen – grundlegend transformieren kann.

Wachstum durch Geschichten. Wie soll das gehen?
So lautet die Überschrift dieses Beitrags. Eine endgültige Antwort habe ich noch nicht. Nur eine Ankündigung:
Auf diesem Blog möchte ich meine Eindrücke, Erfahrungen und Rezepte mit dem „Wachstumsbeschleuniger“ Storytelling teilen.
Um die magische Kraft der Geschichten für mich und andere nutzbar zu machen. Um Geschichten zu finden und zu erzählen, die Wachstum ermöglichen. Geschichten und Welten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Das meine ich mit Growth by Story.

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