Die meisten Storytelling-Ratschläge behandeln alle Unternehmen gleich.
Genau das ist der Fehler.
In fünfzehn Jahren Beratung habe ich beobachtet, dass die Storytelling-Probleme, die ich in Unternehmen sehe, Mustern folgen – und dass das Wachstumsmodell oftmals ein blinder Fleck ist.
Ich glaube, jedes Wachstumsmodell bringt einen Storytelling-Blindspot mit, der strukturell eingebaut ist. Das Ziel ist nicht, jedes Unternehmen auf die gleiche Weise zu „reparieren“, sondern zu erkennen, in welchem Modell man sich befindet und wo dieses Modell einen vorhersehbar dazu verleitet, Dinge zu glauben, die vielleicht nicht stimmen. Ich habe diese Tabelle aus meinen Projektbeobachtungen gebaut. Quasi als Feldnotizen.
Sales-led-Unternehmen ertrinken oft in Pitch-Varianten. Sie lieben es, für jede potenzielle Käufergruppe eine eigene Geschichte zu bauen und die Story ständig anhand aktueller Marktsignale zu verändern. Gleichzeitig schieben sie Positionierungsentscheidungen auf und lassen ihre Website verstauben, weil die eigentliche Magie im direkten Verkaufsgespräch zwischen Menschen passiert. Mit der Zeit verlieren sie jedoch in all den unterschiedlichen Geschichten das Gefühl für sich selbst und verwässern so dauerhaft ihr Markenbild.
Product-led-Unternehmen glauben hingegen oft, das Produkt spreche für sich. Entsprechend investieren sie zu wenig in Story, Design und Reichweite. Bis zu dem Moment, in dem ein Wettbewerber die Features kopiert, aber mit frischerem Look und einer lauteren Story auftritt.
Gleichzeitig verbeißen sich Marketing-led-Unternehmen manchmal zu sehr in Brand-DNA und Strategie. Plötzlich bleiben sie beim Perfektionieren der Story hängen, statt sie auf die Straße zu bringen, oder verlieren Produktprobleme und veränderte Kaufgewohnheiten aus den Augen. Im schlimmsten Fall relaunchen sie die Marke, um Probleme zu lösen, die ganz woanders liegen.



