Während KI die klassische Agenturwelt unter Druck setzt, sucht Anthropic einen „Head of GTM Narrative“ für knapp 400.000 Dollar im Jahr.
Gleichzeitig gründen sich reihenweise neue GEO-Agenturen mit dem Versprechen, Inhalte so zu optimieren, dass die Marke in ChatGPT, Gemini und Claude sichtbar bleibt.
Wie passt das zusammen?
Ich erschließe mir den Zusammenhang, indem ich auf die Hebel schaue, mit denen Unternehmen ihr Storytelling steuern.
Grob vereinfacht gibt es drei.
1️⃣ Der Produktionshebel: Was produziere ich, mit welchem Ziel, in welcher Geschwindigkeit und Qualität? Das war lange das Hoheitsgebiet der Agenturen. Sie haben ein kreatives Bottleneck bedient, weil den Unternehmen die Kompetenz dafür einfach fehlte. KI hat dieses Spielfeld verändert, weil Content-Produktion plötzlich einfacher und schneller wird. Nur heißt einfacher und schneller nicht automatisch besser. Umso mehr Gewicht liegt plötzlich auf dem zweiten Hebel.
2️⃣ Der Optimierungshebel: In allen Unternehmen wird daran gearbeitet, die eigenen Stories immer weiter auf ihre Wirkung hin zu optimieren. Diese Arbeit bekommt zunehmend drei Seiten. Inhalte müssen für Menschen, Suchmaschinen und KI-Modelle funktionieren, damit eine Marke in der digitalen Welt sichtbar bleibt. Genau hier setzt das Wachstumsfeld GEO an.
Die Anthropic-Stelle adressiert einen dritten Hebel, der gerade an Bedeutung gewinnt.
3️⃣ Der Orchestrierungshebel: In modernen Organisationen kommunizieren heute alle Abteilungen mit dem Markt, jede mit eigenen Inhalten. Marketing und Kommunikation sind nur noch zwei Stimmen von vielen. Fehlt hier die Gesamterzählung, und behält niemand die zentralen Narrative im Blick, erzählt jede Abteilung eine eigene Geschichte. Die Vielstimmigkeit wird zur Kakophonie. Und am Ende weiß niemand mehr, wofür das Unternehmen eigentlich steht.
Kein Zufall also, dass in der Rollenbeschreibung genau das Aufgabe formuliert: das Storytelling unternehmensweit zu verantworten und losgelöst vom klassischen Marketing ein konsistentes Framework und eine Bibliothek der zentralen Narrative aufzubauen.
Ich glaube, dass solche Positionen immer wichtiger werden. Klar, ich bin da etwas parteiisch. Gleichzeitig erlebe ich bei meinen Kunden genau diese Lücke. Erst kürzlich habe ich einen Story-Workshop mit einem erfolgreichen Portfolio-Unternehmen durchgeführt. Am Ende formulierten die Teilnehmenden aus Produktmarketing, Demand-Gen und Sales von selbst die entscheidende Frage: Wer verantwortet eigentlich die übergreifende Portfolio-Story?
(Selber vorgeschrieben, mit Claude verfeinert)



